Wenn Instagram, Snapchat und Konsole das Leben bestimmen: BARMER Hersfeld und Sportkid schalten Hotline

Bad Hersfeld 21.09.2018 - Bewegung? Nein Danke! Viele Kinder und Jugendliche in Deutschland zählen mittlerweile zu den Bewegungsmuffeln. Lediglich 22,4 Prozent der Mädchen und 29,4 Prozent der Jungen im Alter von 3 bis 17 Jahren bewegen sich mindestens 60 Minuten am Tag und erreichen damit die Bewegungsempfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), so das ernüchternde Ergebnis der KIGGs Studie (Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland) des Robert-Koch-Institutes. Aber wo liegen die Gründe und was kann man in Bad Hersfeld tun, um diesem Trend entgegen zu wirken. Darüber sprachen wir mit Ingo Bonnard, Regionalgeschäftsführer der BARMER in Bad Hersfeld und Jörg Ley, Gründer Sportkids e.V..

Herr Bonnard laut der KiGGs Studie gelten viele Kinder und Jugendliche mittlerweile als Bewegungsmuffel. Wie sieht es in Bad Hersfeld aus?

Bonnard: In Bad Hersfeld sieht es nicht anders aus, als im Bundesdurchschnitt. Die Hersfelder haben das aber schon längst erkannt und deswegen die Plattform „Sportkid“ e.V. gegründet. Unter dem Motto „Was zählt, ist deine Bewegung“ können sich Eltern, Kinder und Jugendliche erkundigen, was in Bad Hersfeld sportlich angeboten wird und wo man mitmachen kann.

Was verbirgt sich genau hinter „Sportkid“? Können alle Kinder und Jugendlichen dort mitmachen?

Ley: In Hersfeld und Umgebung gibt es zahlreiche Sportvereine und Institutionen mit ganz unterschiedlichen Angeboten. Da ist für jeden etwas dabei. Dazu kommen noch viele öffentliche Sportevents und weitere Mitmachangebote. Der Verein „Sportkid e.V.“ ist kein zusätzlicher Sportverein in Hersfeld, sondern versteht sich als Informationsplattform. Unser Ziel ist es, Hersfelder Kindern und Jugendlichen, unabhängig ihrer sozialen und kulturellen Herkunft langfristig zur Bewegung zu motivieren und möglichst vielen von ihnen den Weg in einen Verein, zu ihrer Lieblingssportart oder einem tollen Freizeitangebot zu ebnen. Auf der Plattform „sportkid.de“ sind viele Vereine gelistet. Es gibt unterschiedliche Suchfunktionen und man kann problemlos und schnell zu einem Verein Kontakt aufnehmen. Jeder und jede ist willkommen, nur das Mitmachen zählt.

Wird dieses Angebot häufig genutzt?

Ley: Ein klares Ja. Das liegt vor allem an der großen Auswahl. Von Fußball über Tennis bis hin zum Reiten, Klettern und Ringen ist alles dabei. Wir haben von den Vereinen eine sehr positive Rückmeldung erhalten. Über die Plattform können wir vor allem die Kinder und Jugendliche da erreichen und informieren, wo sie sich gerne aufhalten: im Netz.

Apropos Netz - der alltägliche Bewegungsdrang wird mittlerweile durch Smartphone, Tablett und Konsole doch praktisch abgelöst…

Bonnard: Da haben Sie Recht und das ist eine sehr große Gefahr. Mehr als zwei Stunden verbringen Kinder und Jugendliche mittlerweile täglich im Netz. Zu diesem Ergebnis kommt die Schweizer James-Studie. Das ist wertvolle Zeit, in der sich Kinder und Jugendliche nicht bewegen. Schnell kann das zu einer gefährlichen Sucht werden. Eltern sollten deswegen aufmerksam beobachten, ob ihr Kind immer mehr Zeit vor dem Bildschirm verbringt.

Meinen Sie, dass Kinder und Jugendliche wieder Spaß und Freude an Sport und Bewegung bekommen und das Handy oder Tablett mal zur Seite legen?

Bonnard/ Ley: Wir denken, wir sind es unseren Kindern schuldig, dass wir alles unternehmen, damit sie gesund aufwachsen können. Die Plattform „Sportkid e.V.“ ist dabei ein kleiner Baustein. Kindergärten, Schulen und auch das häusliche Umfeld sollten bewegungsfreundlicher gestaltet werden. Dazu gehört sicherlich auch eine gesundheitsorientierte Stadtplanung mit dem Ausbau von Rad- und Fußwegen sowie der Gestaltung von Frei- und Grünflächen. Denn eines ist sicher: Die Zahl der Heranwachsenden, die „sitzen bleiben“ steigt rapide an. Gleichzeitig verbringen immer mehr Kinder und Jugendliche Zeit im Netz. Das ist alarmierend, und darum müssen wir handeln. Denn „richtige“ Freunde findet man nicht im Netz. Wir versuchen mit „Sportkids“ die Kinder und Jugendliche für den Sport zu begeistern. Gleichzeitig möchten wir aber auch auf die Gefahren durch einen problematischen Umgang im Netz hinweisen.

Deswegen schalten Sie diese Hotline um den Eltern die Angst zu nehmen?

Bonnard: Wir wollen nichts verteufeln – aber auch nichts verharmlosen. Eltern und Erzieher haben hier die Möglichkeit, sich zum Thema zu informieren. Diese Hotline soll helfen, erste Anzeichen einer Gefährdung zu bemerken. Ihnen wird eine Beratung angeboten, wie man sich am besten verhalten sollte und welche professionellen Hilfs- und Unterstützungsangebote es gibt.

Wann ist die Hotline geschaltet und wer darf sie nutzen?

Bonnard: Die Hotline steht allen Interessierten zur Verfügung. Die Experten sind von Samstag, 22. September bis Samstag, 29. September, täglich zwischen 9 und 21 Uhr unter der Rufnummer 0800/ 8484111 zu erreichen.